Elf Arbeiten, die sich zwischen gestischer Abstraktion, biomorpher Figuration und zeichenhafter Verdichtung bewegen — entstanden nicht als Illustration, sondern als Protokoll eines körperlichen und neurologischen Zustands. Siskin Erne Fine Art zeigt „Human Friction" als konzentrierte Präsentation, die genaues Hinsehen verlangt.
Ein Ausstellungsraum für zeitgenössische Kunst, die den Prozess sichtbar lässt — Schichtung, Korrektur, den nicht geglätteten Moment. Siskin Erne Fine Art widmet sich dem unfertigen Bild als eigener, eigenständiger Kategorie.

Warme, offene Flächen — Rostrot, Koralle, wässriges Orange.

Feuchte, vegetabile Töne — Türkis, Petrol, Kobalt.

Dichte, geschlossene Flächen, kaum ruhendes Weiß.

Das dichteste, dunkelste Register der Reihe.

Das dramatischste und psychologisch aufgeladenste Werk der Gruppe. Korallenrot, Rostrot und Fleischtöne stehen gegen ein schweres, dunkelblaues Gerüst — eine Auseinandersetzung zwischen Haut und Schatten, Wärme und Widerstand.

Eine feuchte, vegetabile und unterirdische Atmosphäre in Türkis, Petrol und Oliv. Im oberen Bereich dominiert ein augen- oder portalartiges Zentrum, umgeben von rotierenden Bögen und feinen roten Markierungen.

Ein offener, wässriger und unmittelbarer Bildraum. Rot- und Orangetöne kreisen um ein diffuses Zentrum, durchschnitten von kühlen Türkislinien. Das Weiß des Papiers wird zum aktiven Atemraum.

Eine hellere, durchlässigere Variante der grün-blauen Komposition. Gelbgrüne Lichtzonen und konzentrische Gewölbestrukturen öffnen den Raum zu einer geologischen und psychologischen Kartografie.

Ein dickes, kobaltblaues Oval, mit Ölpastell entschlossen umrissen, liegt über einem Grund aus Grün- und Gelbgrüntönen. Rundherum kreisen dünnere blaue Linien, vereinzelt von orangen und ockerfarbenen Spuren durchbrochen. Kräftiges Kobalt gegen weiches, wässriges Grün.

Ein durchgehender, warmer Orangeton bedeckt fast das ganze Blatt, durchsetzt von dunkelblauen, dicht schraffierten Flächen und einem einzelnen türkisen Dreieck am linken Rand. Feine graue Bleistiftlinien ziehen sich quer durchs Bild. Wenig Weiß bleibt stehen — die Farbe ist fast vollständig geschlossen.

Glühendes Gelb und Rot füllen das Blatt, durchzogen von dunklen, geäderten Bahnen, die diagonal hindurchlaufen. Kleine ovale Formen in Orange und Umriss-Blau liegen am linken Rand. Warm, dicht und ohne ruhende Fläche — Farbe, die sich über das ganze Blatt zieht.

Zwei dicht gewickelte, spiralförmige Kringel in Petrol und Dunkelblau schweben über einem nassen Grund aus Blau- und Grüntönen. Diagonale Kreidestriche durchziehen die obere Bildhälfte, während sich der untere Rand zu einem satten, fast schwarzen Blaugrün verdichtet.

Das dichteste und dunkelste Blatt der Reihe. Ein fast undurchdringliches Geflecht aus dunkelblauen Kreidelinien wird von rostroten, fragmentierten Flächen durchbrochen. Im unteren Drittel taucht ein rautenförmiges Gitter auf — eine seltene geometrische Struktur inmitten der sonst so gestischen Bildsprache.

Ein kaum wahrnehmbares, fast verblasstes Bild in Rosa und Terrakotta. Eine feine, rippenartige Liniensequenz zieht sich diagonal durchs Blatt, umgeben von diffusen, wässrigen Wolken. Die Zurückhaltung der Farbe steht im starken Kontrast zur Dichte der übrigen Werke der Reihe.

Eine zweite Fassung des kobaltblauen Ovals, diesmal nicht auf Papier, sondern auf grundierter Leinwand ausgeführt. Das Blau liegt heller und transparenter über einem leuchtenden Grün, orange Spuren blitzen am rechten Rand durch. Die feste Textur des Malgrunds gibt der Geste mehr Widerstand als der saugfähige Bildträger der übrigen Werke.
Marit Mautner (geb. 1986 in Bruck an der Mur, Österreich) ist eine Künstlerin und Kunsthistorikerin, deren Praxis unlösbar mit psychologischer Endlichkeit, physischem Widerstand und einem außergewöhnlichen familiären Erbe der Auseinandersetzung mit extremen Grenzsituationen verbunden ist.
In der Steiermark geboren, teilt Mautner ihr Leben zwischen der urbanen Reibung des Wiener 19. Bezirks und einem abgeschiedenen Bergretreat in den Mürzer Alpen. Diese geografische Dualität spiegelt die tiefen inneren Polaritäten in ihren Werken wider. Sie begreift die Malerei nicht als reinen Lebensstil, sondern als aggressive, diagnostische Notwendigkeit, um inneres Chaos und turbulente emotionale Zustände zu kartografieren.
Ihre Beziehung zu extremem Terrain ist genetischer Natur: Sie ist die direkte Nachfahrin von Conrad Kain (1883–1934), dem legendären, in Nasswald geborenen Pionier, der zum berühmtesten Bergführer der kanadischen Geschichte aufstieg — mit über 60 Erstbesteigungen, darunter Mt. Robson und Bugaboo Spire. Wo ihr Vorfahr die vertikalen Felswände der kanadischen Rocky Mountains eroberte, kartografiert Mautner die inneren, zerklüfteten Abgründe der menschlichen Kondition.
Meine sehr geehrten Damen und Herren, liebe Freundinnen und Freunde der Kunst, liebe Marit — ich begrüße Sie sehr herzlich zu dieser Ausstellung, in einem Umfeld, in dem sich historische Architektur, kulturelles Gedächtnis und zeitgenössische Kunst auf engstem Raum begegnen. Wir zeigen heute sieben Arbeiten von Marit Mautner. Es ist eine kleine, konzentrierte Präsentation. Doch gerade diese Beschränkung erlaubt uns, genauer hinzusehen. Denn diese Bilder erschließen sich nicht durch einen raschen Blick. Sie verlangen Nähe, Zeit und die Bereitschaft, das zunächst Unbestimmte auszuhalten.
Marit Mautner ist Künstlerin und ausgebildete Kunsthistorikerin. Sie studierte Kunstgeschichte an der Universität Wien und beschäftigte sich in ihren wissenschaftlichen Arbeiten unter anderem mit Anton Romako und der Modernisierung der Historienmalerei. Das bedeutet nicht, dass ihre Bilder kunsthistorische Thesen illustrieren — im Gegenteil: Wir sehen Arbeiten, die unmittelbar, körperlich und offen wirken.
Marit Mautner malt nicht so, als wäre das Bild von Anfang an vollständig vorhanden. Ihre Bilder entstehen als Prozesse. Eine Linie ruft die nächste hervor. Etwas taucht auf, etwas verschwindet. Gerade in einer Zeit, in der Bilder innerhalb weniger Sekunden erfasst, bewertet und weitergeschoben werden, bestehen diese Arbeiten auf einer anderen Form der Aufmerksamkeit. Ich lade Sie ein, sich ihnen zu nähern. Die Ausstellung ist eröffnet.
Ihr familiärer Hintergrund ist außergewöhnlich. Ihr Vorfahr Conrad Kain pionierte über 60 Erstbesteigungen. Wie manifestiert sich dieses Erbe, wenn Sie in den Mürzer Alpen malen?
B. S. beschreibt in seiner Kritik eine „Dialektik der Texturen" zwischen trockenen Ölpastellen und feuchten Aquarelllasuren. Wie entsteht diese Schichtung im Atelier?